Now Reading
Die Helden der Berge

Die Helden der Berge

Fotos: Bergwacht Passau-Dreisessel

Einsatz für Mensch und Natur durch die ehrenamtliche Arbeit der Bergwacht Passau-Dreisessel

Ein plötzlicher Wetterumschwung, ein falscher Tritt oder pure Erschöpfung – was als unbeschwerter Ausflug in die Natur beginnt, kann manchmal schneller als gedacht in einer lebensgefährlichen Situation enden. In solchen Momenten sind es die ehrenamtlichen Helfer der Bergwacht, die zum Glück zur Stelle sind. Sie retten verletzte Wanderer aus steilen Felshängen, versorgen unterkühlte Skitourengeher und orten vermisste Mountainbiker in dichtem Nebel.

Was motiviert die Ehrenamtlichen der Bergwacht Passau-Dreisessel und welche Herausforderungen bringt die moderne Bergrettung mit sich?

Steigende Einsatzzahlen und neue Herausforderungen
„In den letzten Jahren hat sich die Arbeit der Bergwacht Passau-Dreisessel stark verändert. Der Outdoor-Tourismus boomt, immer mehr Menschen zieht es in die Natur. Die zunehmende Beliebtheit von Sportarten wie Trailrunning, Mountainbiking oder E-Biking führt zu einer höheren Nutzung des Geländes – und damit auch zu mehr Unfällen. Doch nicht alle sind ausreichend vorbereitet: mangelnde Erfahrung, unzureichende Ausrüstung oder gesundheitliche Probleme führen zu immer mehr Notfällen. Auch Sucheinsätze nehmen zu, denn das Einsatzgebiet der Bergwacht erstreckt sich über zwei Landkreise hinweg, von Rotthalmünster bis Haidmühle. Hier arbeiten wir eng mit Feuerwehren, Polizei und anderen Hilfsorganisationen zusammen“, erklärt Bereitschaftsleiter Stefan Berger.

Moderne Technik wie Drohnen oder GPS-Tracking erleichtert die Arbeit, doch gleichzeitig werden die Einsätze komplexer. Besonders in unwegsamem Gelände ist eine präzise Koordination gefragt – oft in Zusammenarbeit mit dem Rettungshubschrauber Christoph 15 aus Straubing. Eine weitere Herausforderung: genügend engagierte Einsatzkräfte zu finden. Die dreijährige Ausbildung ist anspruchsvoll, aber notwendig, um in Notfällen professionell und sicher handeln zu können. Die langjährige Ausbildung schrecke manche ab, „aber wir benötigen Menschen, die langfristig bereit sind, sich für dieses Ehrenamt zu engagieren“, so Berger.

Wintereinsätze – Besondere Herausforderungen
Einsätze im Winter sind besonders anspruchsvoll. Schnee und Eis erschweren den Zugang, das Risiko für Unterkühlungen oder Erfrierungen ist hoch. Spezielle Ausrüstung wie Schneeschuhe, Grödel, Skier und Wärmeerhaltungssysteme sind unerlässlich, um sowohl die Patienten als auch die Einsatzkräfte zu schützen.

Ehrenamt mit Herzblut
Viele Bergwacht-Mitglieder sind selbst begeisterte Bergsportler. Ihre Motivation? Die Liebe zur Natur und der Wunsch, anderen in schwierigen Situationen zu helfen. Wer einmal selbst erlebt hat, wie schnell ein Ausflug zur Gefahr werden kann, weiß die Arbeit der Bergwacht zu schätzen – und will etwas zurückgeben – für die Region und die Gemeinschaft. Kameradschaft und Teamgeist spielen dabei ebenfalls eine große Rolle.

Bei aller Professionalität können manche Einsätze selbst für die erfahrensten Bergretter emotional sehr belastend sein. „Wir unterstützen uns gegenseitig im Team und haben Zugang zu professionellen Angeboten, wie der Psychosozialen Notfallversorgung für Einsatzkräfte (PSNV-E) der Bergwacht Bayern. Regelmäßige Gespräche und der offene Austausch über Erlebnisse helfen uns, schwierige Situationen zu verarbeiten“, erklärt Bereitschaftsleiter Stefan Berger.

Der Ablauf eines Rettungseinsatzes
Jeder Einsatz beginnt mit einem Alarm der Integrierten Leitstelle Passau (ILS). Der diensthabende Einsatzleiter koordiniert nach Kontakt mit dem Patienten und der Leitstelle den Einsatz. Die Retter machen sich währenddessen auf den Weg – mit Notfallrucksack, Seilen und Trage. Vor Ort wird die Lage analysiert: Wo befindet sich der Verunglückte? Wie schwer sind die Verletzungen? Braucht es die Unterstützung des Rettungshubschraubers? Die Geschwindigkeit ist entscheidend, aber auch besonnenes Handeln, um Risiken für das Team zu vermeiden.

Ausbildung zum Bergretter
Die Ausbildung zur aktiven Einsatzkraft dauert mindestens drei Jahre und umfasst verschiedene Bereiche wie Sommer- und Winterrettung, Luftrettung, Notfallmedizin sowie Umwelt- und Naturschutz. Voraussetzung ist dabei nicht nur körperliche Fitness, sondern auch Teamfähigkeit und die Bereitschaft, ehrenamtlich viel Zeit zu investieren. Skifahren und grundlegende Kletterkenntnisse sind ebenfalls notwendig sowie das Mindestalter von 16 Jahren.

Fotos: Bergwacht Passau-Dreisessel
Fotos: Bergwacht Passau-Dreisessel

Unvergessliche Einsätze
„Manche Einsätze bleiben besonders im Gedächtnis. So etwa die dramatische Rettung eines Gleitschirmfliegers, der nach einem Absturz verletzt in den Baumwipfeln hing. Nur mit der Seilwinde des Rettungshubschraubers konnte er in letzter Sekunde sicher geborgen werden – ein Moment, der eindrücklich in Erinnerung bleibt“, erzählt Stefan Berger.

See Also

Ein Notfalleinsatz ist immer kostenlos
Ein wichtiger Punkt: Wer in den Bergen in eine medizinische Notlage gerät, muss sich keine Sorgen um die Kosten machen. Medizinische Notfalleinsätze sind in Bayern grundsätzlich für den Patienten kostenlos.
Dennoch ist es ratsam, eine Zusatzversicherung zu haben, falls ein Einsatz ohne medizinischen Grund (z.B. Vermisstensuche) erforderlich wird.

Blick in die Zukunft: Finanzierung und Nachwuchsgewinnung
Ein großes Anliegen der Bergwacht ist die Finanzierung der Einsatzbekleidung, die bisher von den Mitgliedern selbst bezahlt werden muss. „Hier wäre Unterstützung durch den Freistaat Bayern dringend nötig. In diesem Fall sind wir auch auf unsere Fördermitglieder und Spenden zwingend angewiesen. Zudem ist es wichtig, junge Menschen für die Bergwacht zu begeistern, um die Einsatzfähigkeit langfristig zu sichern“, so Stefan Berger.

Weitere Infos über die Bergwacht gibt es hier: www.bergwacht-passau.org

Unbenannt 1

 

View Comments (0)

Leave a Reply

Your email address will not be published.

© 2023 MuW-Medienhaus

Scroll To Top